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Chronik

Hinweis zur Dorfgeschichte des Lehrers Voigt vom 11. Dezember 1934


Ob die vorliegende Dorfgeschichte des Lehrers Voigt in der hier vorliegenden Form mit Schreibmaschine verfasst wurde oder handschriftlich verfasst und von Anderen mit Maschine geschrieben wurde , ist nicht bekannt.


Dieses Exemplar wurde mir von Wolfgang Woizick , der hier gelebt hat, überreicht.

 

Diese Dorfgeschichte zeichnet sich durch fundierte Kenntnisse des Verfassers aus, worauf auch die auf Seiten 10/11 aufgeführte Literatur hinweist.

 

Wir haben bewußt auch die am Schluß auf Seite 10 in den letzten 2 Absätzen geschriebenen Zeilen des Verfassers über die damals aktuellen politischen Ereignisse ( Machtergreifung der NSDAP, Heilserwartung an Adolf Hitler ) als Bestandteil  dieses historischen Dokuments  übernommen, auch wenn der Verfasser am Ende seines Textes den Standpunkt eines „Historikers“ verläßt.


Wir können heute mit zeitlichem Abstand die grauenhaften Folgen der Machtergreifung Hitlers bewerten. Und auch damals gab es Menschen, die das schon gespürt oder auch gewußt haben. Es waren aber nicht genug. Noch einige Einwohner des Ortes waren damals unmittelbar Betroffene dieser damaligen Heilserwartung, der darauf folgenden verbrecherischen  Verfolgung Andersdenkender und der von Hitler geführten Kriege  mit seinen verheerenden Folgen für ganz Europa.


Dieser Abstand  zum Geschehen war dem Autor damals verwehrt.

 

Dorfgeschichte Lehrer Voigt vom 11.12.1934


Holztafel

Die  abgebildete Tafel trägt die Überschrift :


Namen der Einwohner zu Verchesar

welche am Friedensfest 1816,

den 18.ten Januar

Altar, Kanzel, Taufstein und Pult bekleidet und Bibel und Gesangbuch angeschafft haben

 

Damals schrieb sich das Dorf noch Verchesar und der 18. Januar war der Krönungstag des 1. Königs von Preussen  , vorher war er “nur“ Kurfürst  ( die Krönung war 1701 in Königsberg). 1813 hatte Preußen dann gemeinsam mit anderen Nationen in der Völkerschlacht bei Leipzig Kaiser Napoleon besiegt und seine Souveränität wiedererlangt.
 
Es gab im Januar 1816 also viel zu feiern und zu diesem Anlass wurde wohl zu Spenden für die Ausstattung der Kirche  aufgerufen.


Es folgt auf der Tafel die Aufzählung aller Einwohner , in der Reihenfolge der Hausnummer 1-32 (damals war ja nur die Alte Dammstrasse bewohnt) und hinter dem Namen wurde der gespendete Betrag  in Taler und Groschen notiert.


Die auf der rechten Tafelseite  aufgeführten Frauen behielten nach der Heirat weiterhin ihren alten Familiennamen.


Auf der Tafel sind auch die Berufe genannt, es gab im Dorf :

  • 10 Ackersmänner (das waren die Bauern, die ausreichend Land besaßen )
  • 6 Cossaten, diese hatten eine kleine Kate oder Kleinbauernhaus  mit wenig Land, 1 Pferd  und mussten (meist bei den Bauern) dazuverdienen
  • Büdner , die hatten nur eine kleine Bude/Hütte nur mit Garten und übten ein Handwerk aus, wie  Leineweber, Garnweber, Zimmermann und Huf - und Waffenschmied.
  • Dann gab es noch den Pferdehirten, Pfarrer, Lehrer, Mühlenmeister, Nachtwächter, Schäfer und den Krugpächter (Gastwirt)
  • Und natürlich die Altsassen ( heute würden wir Rentner sagen)

Unter der Überschrift : … Gefallen im Kampf mit Gott für König und Vaterland …. sind 2 Soldaten aus Hohenferchesar, die in den Befreiungskriegen gegen Napoleon gefallen sind, aufgeführt.


 Es ist also eine Spendentafel, eine  Gedenktafel für die Gefallenen und ein Einwohnerverzeichnis !


Sie sehen : eine informative , interessante Tafel  mit hohem historischen Wert .